Eröffnungseröffnung mit einer Einzelausstellung des Künstlers Radu Comsa

PALE GEOMETRIES

ADELINA IVAN

13.06.2025 – 31.08.2025

In der Werkserie PALE GEOMETRY lotet Adelina Ivan die Schnittstelle zwischen Malerei, angewandte Kunst und traditionellen Handwerktechniken aus. Die Arbeiten abstrahieren geometrische Motive, die historisch von Frauen in Praktiken wie Nähen, Flechten und Weben verwendet werdet wurden, ebenso wie Muster aus industriellen Textildesigns. Durch Reduktion und Überlagerung transformiert Ivan diese visuelle Sprache in ein malerisches Vokabular, wobei textile Materialien nicht nur eingebunden, sondern aktiv in die Bildfindung integriert werden.

Stoffe hinterlassen Spuren in der Acrylfarbe, Bild und Gewebe überlagern sich, bis die Grenzen zwischen Textil und Malerei aufgelöst erscheinen.

Ziel von Ivans Praxis ist es, die binäre Unterscheidung zwischen sogenannten „hohen Künsten“ (Malerei, Skulptur) und den als „dekorativ“ oder „minderwertig“ klassifizierten Künsten zu hinterfragen und zu dekonstruieren. In Ihren Arbeiten fungieren Textilien – Objekte des Alltags, eng verbunden mit Körpern und Innenräumen – als Träger persönlicher wie kollektiver Narrative. Ihre Allgegenwärtigkeit und Haptik verleihen ihnen ein kommunikatives Potenzial, das die Künstlerin gezielt als Ausdruck gelebter Erfahrung und verkörperter Erinnerung einsetzt.

Kurzer historischer Kontext:

Über weite Teile des 20. Jahrhunderts hinweg wurden textile Praktiken in der westlichen Kunstgeschichtsschreibung marginalisiert – verknüpft mit Weiblichkeit, Intimität und häuslicher Sphäre galten sie als außerhalb der Sphäre „autonomer“ Kunst. Adelina Ivan verweist jedoch auf die strukturelle Komplexität textiler Techniken, die weniger emotional als vielmehr logisch, repetitiv und systemisch funktionieren – als ingenieurhafte Konstruktionen, die an digitale und algorithmische Prozesse anschlussfähig sind.

Die theoretische Neubewertung textiler Praktiken, insbesondere seit den späten 1990er Jahren, erfolgte nicht zuletzt durch das Aufkommen des Netzwerkbegriffs. In einer zunehmend vernetzten Welt – sei es technologisch (Internet), sozial (digitale Netzwerke) oder konzeptuell – erscheinen Gewebe als paradigmatische Form, als strukturierte, rationale Systeme. Ivan rezipiert diese Denkweise, in dem sie textile Strukturen als visuelle und metaphorische Übersetzung gegenwärtiger Komplexität begreift.

In der Publikation „Bauhaus Weaving Theory: From Feminine Craft to Mode of Design (2014)“ wird etwa die zentrale Bedeutung des Weberei-Ateliers am Bauhaus als theoretisches Fundament des modernen Gestaltungsdenkens hervorgehoben – eine Perspektive, die Ivan teilt und in ihrer künstlerische Methodik integriert.

Die textile Form wird bei ihr nicht mehr als Medium der Repräsentation verstanden, sondern als Instrument der Konstruktion – ein Produktionsmodus, der weniger auf Abbildung, sondern auf Verflechtung, Wiederholung und Transformation beruht. Damit verkompliziert Ivan die genealogische Linie der Form im Modernismus und eröffnet den Blick auf eine verkörperte, materialbasierte Epistemologie künstlerischer Praxis

Untitled_25 | 2016-2025 | wadding, aged velcro, polyester strings | 88x150 (230) cm

Textile Colage_1 | 2016 | fusible interlinings on cotton | 30x40 cm

Black opening_25 | 2023-2025 | textile and acrylic on canvas | 30x40 cm

White opening_25 | 2025 | acrylic, interfacing fabric, polyester and plaster wrap on canvas | 30x40 cm

Ni ne dots | 2016 | acrylic and fiberglass mesh on aged velcro | 100x100 cm

Untitled_25 | 2025 | acrylic, polyester and cotton veil on canvas | 30x30 cm

Landscape lines II | 2024 | acrylic, and textile on canvas | 80x60 cm