Eröffnungseröffnung mit einer Einzelausstellung des Künstlers Radu Comsa

La Nasterea Norilor

Camilia Filipov

27.02.2026 - 24.04.2026

Im Werk von Camilia Filipov wird Natur nicht im herkömmlichen Sinne als Motiv oder Szenerie behandelt. Sie ist nichts, was aus der Ferne beobachtet oder in eine Darstellung übersetzt wird. Stattdessen wird die Natur zum Handlungsraum der Künstlerin: ein Atelier ohne Wände, ein fortlaufendes Archiv erinnerungstragender Materialien, denen sie begegnet und mit denen sie arbeitet.

 

An die Pleinair-Sensibilität der Impressionisten anknüpfend und zugleich über das reine Beobachten hinausgehend in Richtung Ko-Kreation, entwickelt sie eine Praxis, in der der Beitrag der Natur dem der Künstlerin gleichkommt. Was sich in dieser Ausstellung entfaltet, ist keine Landschaft als Spektakel, sondern Landschaft als Prozess – ein fortwährendes Werden, das, wie sie in ihrem Bergatelier entdeckte, direkt vor unseren Augen geschieht.

 

Diese Ausstellung vereint drei miteinander verbundene Serien – At Clouds’ Birth, Drawn Mountain und Transient Flora –, die gemeinsam fragile, vorläufige Zustände erforschen, in denen sich Wolken sammeln, Berge „gezeichnet“ werden und Bilder erscheinen, nur um sich wieder zu verschieben oder aufzulösen.

 

Eine stille Untersuchung darüber, wie Form entsteht: At Clouds’ Birth aktiviert zwei gleichzeitige „Wo“: den Himmel über den Bergen, wo sich Wolken formen, und das Atelier, wo Experiment zur Materie wird. Das Video bewegt sich zwischen Beobachtung und Nachstellung, während die Künstlerin die Wolken zugleich bezeugt und versucht, ihren Eindruck durch subtile Gesten einzufangen. Natur und Atelier beginnen einander zu spiegeln; das Entstehen von Wolken wird zur Metapher für das Entstehen von Kunst.

 

Filipov nennt ihre Kohlezeichnungen auf Blättern, Kiefernnadeln, Zweigen und Steinen Drawn Mountain – eine subtile semantische Verschiebung, die ihr gesamtes Projekt neu rahmt. Der Titel beschreibt kein Bild eines Berges, sondern schlägt eine Handlung vor: einen Berg, der gezeichnet wird, oder eine Zeichnung, die innerhalb und auf dem Berg selbst stattfindet.

 

Die Mehrdeutigkeit und die bewusste räumliche Umkehr sind intendiert. Traditionell abstrahiert die Zeichnung ein Fragment der Welt und überträgt es auf Papier. Hier bleibt die Geste im in situ verankert. Die „Seite“ ist uneben, Zeit und Verfall ausgesetzt. Die Zeichnung wird nicht vom Berg weggetragen – sie gehört zu ihm. Der Berg wird nicht dargestellt – er kollaboriert; seine Texturen lenken die Linie um, nehmen die Kohle auf oder stoßen sie ab. Selbst im Ausstellungsraum bewahren diese Arbeiten die ontologische Erinnerung an ihren Entstehungsort und legen nahe, dass der Akt des Zeichnens selbst bergartig wird.

 

 

Mit Blütenblättern, Blättern und Pollen geschaffen, sind Filipovs Transient Flora-Zeichnungen zu Flecken verdichtete Bewegungen. Das Pflanzenmaterial hinterlässt nicht bloß einen passiven Abdruck auf dem Papier, sondern wird selbst zum Zeichenwerkzeug, das durch Reibung und Geste Pigment überträgt. In diesen Arbeiten wird Natur aktiviert, nicht in Stillstand gepresst. Das Blatt biegt sich, reißt, trocknet und gibt Farbe ungleichmäßig ab; sein Widerstand wird Teil der Spur. Die Linie ist daher niemals vollständig kontrolliert – sie wird zwischen der Hand der Künstlerin und der Fragilität des Materials ausgehandelt. Das allmähliche Verblassen und Verschieben der Farbe ist kein Nebenprodukt, sondern der konzeptuelle Kern der Arbeit: ein langsames, leises Zeugnis der Vergänglichkeit.

DRAWN MOUNTAIN | A Piece of Mountain| 2021–ongoing | graphite on stone, variable dimensions

DRAWN MOUNTAIN | Wild Apple Twig | 2021–ongoing | graphite on wild apple twig

La Nașterea Norilor / At Clouds’ Birth VIDEO | 2020–ongoing | single chanel HD video, color, sound | 03:54 min

Transient flora (series) | 2020 | flower petals, leaves, and pollen on paper | 42 x 29.6 cm / 40 x 52 x 3.5 cm (framed)

Transient flora (series) | 2020 | flower petals, leaves, and pollen on paper | 42 x 29.6 cm / 40 x 52 x 3.5 cm (framed)