Adelina Ivan
Künstlerische Stellungnahme
Geometrie als visuelle Sprache hat die Kraft, dominante kulturelle Narrative in Frage zu stellen und neue Perspektiven auf die Welt zu eröffnen. Sie steht in einer engen Beziehung zum Raum – eine Verbindung, die menschliche Interaktionen prägt und sowohl den physischen als auch den mentalen Raum neu formt. Dadurch entstehen neue Beziehungen zwischen den Räumen, in denen wir leben, und der Art und Weise, wir sie sie nutzen. Linien und Gitterstrukturen trennen Innen- und Außenräume, Privates und Öffentliches.
Geometrische Eingriffe orientieren sich an architektonischen oder gestalterischen Elementen, die Sicherheit und Schutz bieten sollen – etwa Fenstergitter oder Mauern. Doch zugleich können sie auch Rückzug oder Abschottung symbolisieren, indem sie Räume oder Individuen physisch voneinander trennen und so Distanz oder Entfremdung erzeugen.
In diesem Spannungsfeld frage ich mich, wo ich mich selbst verorte, und untersuche die Rolle der Frau zwischen diesen beiden Sphären. Mich interessiert das Zusammenspiel von Symbolischem und Realem, von künstlerischer Praxis und Handlungen, die darauf abzielen, positive Veränderungen zu bewirken – sei es im Verhältnis von privatem und öffentlichem Raum, von Mensch und Natur oder innerhalb sozialer Strukturen.
Es gibt diese Dichotomie zwischen Privatem und Öffentlichem, in der Frauen traditionell mit dem privaten, häuslichen Raum und Männer mit dem öffentlichen, politischen Raum assoziiert werden.
In den letzten Jahrzehnten wurden diese Grenzen zunehmend verwischt, doch für die meisten Frauen bestehen sie in der Realität weiterhin. Das Verschieben und Neubewerten bestehender Konventionen führt zu einem Prozess der Suche nach strukturellen Veränderungen, die dauerhaft werden.
In diesem Sinne interessiert mich die Geometrie als symbolischer Raum des Widerstands – als Mittel zur Schaffung geometrischer Strukturen, die aus der Entwicklung mentaler Räume entstehen, die sich gegen Machtstrukturen, Ungleichheiten und dominante Systeme richten.
Die Arbeit mit einem gemischten Medium aus fragilen Materialien wie Textilien ermöglicht mir eine strukturelle Opposition zu traditionellen Medien – eine Arbeitsweise, die einerseits poetisch ist und zugleich eine befreiende Wirkung hat.
Meine persönliche Forschung konzentriert sich auf das Experimentieren mit Textilien – übereinandergelegte Stoffschichten, die die Grenzen zwischen öffentlich und privat, zwischen Materialität und Immaterialität aufheben. Ich entwickle geometrische Formen auf der Grundlage nicht-hierarchischer Strukturen, die sich in einem Wechselspiel aus Falten und Entfalten horizontal ausbreiten und dabei Gegensätze thematisieren, die das Konzept der Kontinuität unterstützen.
In meiner künstlerischen Praxis verwende ich unter anderem Alltagsgegenstände aus dem häuslichen Raum, wie Geschirrtücher, Tischsets, Kleidungsstücke und Haushaltsobjekte – Dinge, die besonders mit der weiblichen Sphäre des Hauses verbunden sind. Gewöhnliche Elemente, die im dekorativ-utilitären Umfeld des Hauses meist unbemerkt bleiben, werden durch meine Interventionen zu materiellen Manifestationen innerer weiblicher Spannungen. Diese Spannungen entstehen oft zwischen der Pflicht, sich um Haus und Familie zu kümmern und der Unzufriedenheit mit der sich wiederholenden, oft isolierenden Arbeit- einer unsichtbaren, entsozialisierten und häufig entfremdenden Tätigkeit. Gleichzeitig gibt es einen Mangel an Möglichkeiten des Protests oder der Möglichkeit, sich dieser Strukturen zu entziehen.
Linien und netzartige Strukturen werden in diesem Kontext zu abstrakten Formen, die die Muster und Wiederholungen von Gesten und Prozessen im häuslichen Raum widerspiegeln. Sie entwickeln ihre Aussagekraft in der Kunst entweder durch Repräsentation oder durch Opposition und Dekonstruktion.
Mit dem Begriff „Raum des Widerstands“ bezeichne ich einen mentalen, symbolischen und abstrakten Raum, in dem eine bestimmte Form nichsprachlichen kritischen Diskurses organisiert wird – ein Raum der Verweigerung oder des Widerstandes gegen Machtstrukturen. Dieser Ausdruck findet sich in der abstrakten Kunst wieder, die Elemente der materiellen Kultur aus privaten, häuslichen oder öffentlichen Umfeldern aufnimmt.
Die physische Manifestation dieser Konzepte zeigt sich in einer Oberfläche, in der sich Verletzlichkeit und Stärke, sowie deren Repräsentationen als zentrale Themen entfalten. Dabei werden Beziehungen untersucht – zwischen Architektur und Raum, Körper und Erinnerung, Grenzen und Geometrie, Anwesenheit und Abwesenheit.
Sie stellte unter anderem im Van Abbemuseum Eindhoven (2024), bei Plastic Contemporary Cluj (2024), im EWERK Luckewalde Berlin (2022), auf der Contextile Biennale in Portugal (2022), im MNAC Bukarest (2022), im Cabinet44 Bukarest (2022), im MARe – Museum of Recent Art Bukarest (2021),
bei Sandwich Bukarest (2021), in der. Litost Gallery Prag (2020), im Musée de la Nature Paris (2019), in der Spinnerei Leipzig (2019), in der Kunsthalle Bega (2019), beim Tokio Artscreening Festival (2019), im MNAC Bukarest (2018), beim Media Art Festival Arad (2018), auf der Artissama Torino (2018), in der Anca Poterasu Gallery Bukarest (2018), bei transit.ro Bukarest (2017), in der Jean Claude Maier Galerie Frankfurt (2017), auf der Black and White Biennale im Satu Mare Museum of Art (2017), im ODD Bukarest(2016) sowie auf der Design Biennale Istanbul (2016) aus.
Residencies umfassen die Salzburg Residency (2018) im Rahmen des ERSTE Foundation Grant – Summer Academy of Fine Arts, Österreich, die Grundarfjördur Residency (2021) mit dem SEE Grant- Grandfarfjördur, Island sowie die Contextile Residency (2022) als Teil der Creative Europe Plattform „Magic Carpets“ EU Grant, Guimarães, Portugal.
Ihre Arbeiten befinden sich in privaten Sammlungen in Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Italien, Portugal und Rumänien sowie in der Museumsammlung des MNAC.